LogoDie Zeitschrift Yacht schreibt 1973 in einem Fahrbericht über die Phantom 30: „Insgesamt ein Schiff, mit dem es sich leben und segeln lässt“.

Nach über 35 Jahren kann man sich diesem Fazit noch immer anschließen und gilt auch für die restlichen Phantom Schiffe, die in den Siebzigern die Werfthalle in Hagen verließen, zwischendurch den Eigner wechselten und auch heute noch auf den vielen Segelrevieren Europas (und vereinzelt gar Weltweit) segeln.

Insgesamt baute die Werft Genzel über die Jahre 530 Phantoms aller Größen. Eine beachtliche Stückzahl für das Familienunternehmen aus Hagen in Nordrhein-Westfalen, das zu Beginn nicht vorhatte eigene Boote zu bauen.

Anfang der 60‘iger Jahre lernt Reinhard Genzel in den Niederlanden die Brüder de Kloet aus Hilversum kennen, die sich später durch die Fellowship 27 eine Namen machen werden. Zusammen beschließen sie auch ein Standbein in Deutschland, in dem die Begeisterung für den Wassersport immer weiter zunahm, zu gründen. 1963 wird die „Jacht- und Bootsagentur Reinhard Genzel“ gegründet. Zusammen mit einem Boot(Mistress MK2) aus England verkauft Genzel von nun an die Boote der de Kloet Werft an deutsche Kunden. Die verschiedenen WHR-Fahrtenkreuzer verkaufen sich rasant. Bereits 1964 konnte Genzel über 100 von ihnen an den Mann bringen und mietet sich eine Halle in Hagen-Tücking an, um dort eine ständige Ausstellung der neuesten Boote zu präsentieren.

Während Genzel immer weitere Modelle vertreibt, wächst das Unternehmen, sodass 1965 schließlich sein Schwager mit in das Unternehmen einsteigt. Aus der kleinen Jachtagentur wurde nun das Familienunternehmen „Genzel & Bergmann“. Die nächsten zwei Jahre vertreibt die Firma weiterhin die altbewährten WHR-Fahrtenkreuzer bis es 1967 schließlich zu einer engen Partnerschaft mit der Yachtwerft Olympus aus Holland kommt, dessen Namen vorerst auch die Firma führen wird. Die „Yachtwerft Olympus, C. Genzel“ verkauft mit mäßigem Erfolg den Europakreuzer 7000 und 8000. Doch die Partnerschaft ist nicht von Dauer. 1968 überwerfen sich beide Parteien. Olympus gibt bekannt, dass die Geschäftsbeziehungen zu Genzel beendet worden seien und will fortan ihre Yachten eigenständig in Deutschland vertreiben.

Doch Genzel lässt sich nicht vom Markt drängen. Noch während er den Europakreuzer vertreibt, macht ihm ein erfahrender Segler und Hobbykonstrukteur starke Vorwürfe über den kleinen Kreuzer. Der Kritiker namens Wilhelm Jenneskens aus Krefeld präsentiert Genzel ein von ihm selbst entworfenes und gebautes Schiff. Genzel erkennt die Chance und vertreibt die Najade 900, die Jenneskens für ihn in Krefeld baut. Das kleine Schiff wird von der Fachpresse in höchsten Tönen gelobt. Auch Jenneskens erkennt seine Chance, verlegt die Produktion aus seiner Scheune in eine stillgelegte Fabrik nach Mönchengladbach und gründet 1969 die „Najade Bootsbau GmbH“. Genzel verliert den Vertrieb der Najade.

Unterdessen meldeten sich die alten Partner aus Holland eindrucksvoll mit der Fellowship 27 zurück, die Genzel ab 1969 exklusiv in Deutschland vertreibt. Der in Holland sehr beliebte Fahrtensegler verkauft sich in Deutschland nur schleppend, kann aber doch eine kleine Fangemeinde sammeln und bleibt bis 1972 in Genzels Programm, bis er Genzels eigener Serie endgültig weichen muss.

Kran

Eine neue Phantom im werfteigenen Kran

Ende 1969 zieht die Firma ein letztes mal um und bezieht in der Weststraße 8 ein großzügiges Areal, das Genzel in eine eigene Werft verwandeln möchte. Bereits Anfang des Jahres 1970 kündigt Genzel das erste Schiff aus eigener Produktion an. Die Orion 33, die optional auch als Motorsegler geordert werden kann. Da Genzel mit dem Aufbau der eigenen Werft aber nicht rechtzeitig fertig wird, lässt er die -ebenfalls in Hagen ansässige- Werft Manuplast das Schiff für sich bauen. Mit der Orion taucht zum ersten Mal ein Name auf, der in Zukunft eng mit der Werft Genzel verbunden sein wird. Der Konstrukteur Heribert Streuer.

Während die Orion nach einigen Anlaufschwierigkeiten in geringen Stückzahlen gebaut wird, kann Genzel seine Werft fertigstellen und widmet sich in Zusammenarbeit mit Streuer einem neuen Projekt, das 1970 erstmalig publik gemacht wird. Ein 9 Meter Segler unter Einfluss der neuen IOR-Formel. Ganz schlicht „Phantom“ genannt. Der Aufbau ist modern gehalten und gleicht einem Flushdeck mit einem breiten Laufdeck und viel Platz auf dem Vorschiff. Ein langes und ein kleines kurzes Fenster sollen für ausreichend Licht im Salon sorgen. Diese anfängliche Ausrichtung zeigt ganz klar Tendenzen in Richtung Regattabahn. Doch kurze Zeit später wird das ganze Deckslayout verworfen und komplett überarbeitet. Die Phantom bekommt eine 30 hinten an gestellt und einen klassischen Aufbau, der für volle Stehhöhe im Schiff sorgen soll. Die Phantom 30 mit beinahe 200 gebauten Exemplaren das Zugpferd der Werft ist geboren.

Zur Seite gestellt bekommt die Phantom 30 einen Motorsegler, der unter dem Namen „Hagen 28“ beworben wird. Nachdem eine Hagen gebaut wurde, wird das Konzept allerdings eingestampft. Der Rumpf bleibt erhalten, das Deckshaus kommt weg und es wird in den nächsten Jahren als Phantom 28 vertrieben. Der Grundstein ist gelegt.

Phantom 28 in der Karibik

Phantom 28 in der Karibik

Die Fachpresse urteilt durchweg gut und hebt allen voran den günstigen Preis hervor. Das Schiff ist ab Werft überdurchschnittlich gut ausgestattet und besticht durch einen gut ausgeführten Teakausbau. Schon nach kurzer zeit spricht sich herum, dass die Phantom ein gutmütiger und in allen Dingen ein sicherer Segler ist. Anfängliche Kritikpunkte werden schnell ausgebessert udn die Schiffe laufend verbessert. Erste Atlantiküberquerungen (auch die 28‘iger) machen dem Schiff auch als Seesegler einen Namen.

1972 erscheint eine leicht abgespeckte Variation der Phantom 30. Die Phantom 29 unterscheidet sich allein durch den Innenausbau mit Dinette anstatt dem U-Sofa und den optionalen Tiefgang von 1,10m von der „großen“ Schwester. Der Preis ist noch ein Stück niedriger angesetzt. Bis 1975 bleibt die Phantom 29 im Programm, bis sie langsam wieder in die Phantom 30 übergeht, die jetzt optional mit Spezifikationen der 29‘er geordert werden kann.

Ein Jahr später vergrößert Genzel sein Programm ein weiteres Mal und stellt die Phantom 34 vor. Ganz neu ist sie nicht und entpuppt sich als alter Bekannter. Der Rumpf entspricht der bereits bekannten Orion 33, die Streuer ende der 60‘iger gezeichnet hatte und nie so richtig in Fahrt kam. Der Rumpf bleibt so wie er ist und bekommt eine neue Deckschale im Bewährten Phantom-Design verpasst. Neu ist auch, dass die Phantom 34 als leichte Regattaversion bestellt werden kann.

Das folgende Jahr stellt einen Einschnitt für Genzel dar. Streuer hat eine neue Phantom-Generation gezeichnet, die durch ein wuchtiges Backdeck dominiert wird. Die Phantom 31, 35 und 32 sollen die erfolgreiche Phantom Baureihe fortführen. Dennoch bleibt der „Renner“ Phantom 30 im Programm und wird 1976 durch eine Neuauflage der Phantom 28 ergänzt. Die neue Phantom 28 entspricht der großen Schwester und wurde nur im Rumpf etwas beschnitten, sodass die Neuauflage um 50cm auf 9m gewachsen ist. Von nun an werden die Rümpfe auch nicht mehr in Hagen gefertigt, sondern in Holland bei Dekabo, die sich auch für die Kievit Schiffe verantwortlich zeigt. Die fertigen Rümpfe werden schließlich in Hagen ausgebaut.

Eine Phantom 30 als Ausstellungsschiff bei Genzel

Genzel will immer weiter und stellt noch im selben Jahr das neue Flaggschiff der Werft vor. Die Phantom 38 soll sich an die Segler mit Langfahrtambitionen richten. Der wuchtige, sichere und günstige Segler spricht einige Segler an. Doch die Fertigung wird immer wieder nach hinten verschoben, sodass Genzel 1977 erst noch zwei kleine Segler auf den markt bringt. Die Phantom 23 und 26 werden Holland unter dem Namen Kievit gebaut. Genzel ändert den Innenausbau und verkauft sie in Deutschland unter dem Namen Phantom.

Obwohl die Phantom 38 gut aufgenommen wird und von der Fachpresse gelobt wird, hat Genzel zu hoch gepokert. Im Juni 1978 muss die Werft Konkurs anmelden und einen Monat später ist er abgewickelt. Die Firma „Phantom Yachtbau Genzel“ gibt es nicht mehr.

Doch Genzel gibt nicht auf. Er gründet die Firma „Phantom Yachten GmbH & Co KG“, baut in einem kleinen Betrieb weiterhin die aus Holland angelieferten Schalen aus und vertreibt sie in kleinem Rahmen. Als 1979 Heribert Streuer stirbt, ist die Phantom Baureihe endgültig beendet. Bis zu seinem Tod 1985 baut Reinhard Genzel noch einige Schiffe.

Nach seinem Tod übernimmt die Bootswerft Nordrhein den Werftbetrieb und führt bis heute in kleiner Auflage die Phantomgeschichte fort.

 

– Seitdem ich diese Homepage vor einigen Jahren ins Netz gestellt habe, erreichten mich immer wieder Nachrichten von Eignern oder zukünftigen Eignern, die Fragen zu dem Schiff hatten. Ein häufiges Gesprächsthema war auch das Schicksal der Werft. Im Laufe der Zeit sammelte sich bei mir immer mehr an Material über die ehemalige Genzel Werft an, dass ich beschloss ihre Geschichte nieder zu schreiben und sie allen Eignern zugänglich zu machen. Im Archiv der Yacht fand ich viele Hinweise, die ich mit meiner eigenen „Sammlung“ ergänzen konnte, sodass ich schließlich einen chronologischen Ablauf konstruieren konnte. Zum Schluss möchte ich mich auch noch bei Herrn Thomas Genzel bedanken, der mir bei meinen Fragen enorm weiter helfen konnte und Licht in die letzten dunklen Ecken bringen konnte. Von ihm stammt auch das Bildmaterial.