Seit Stunden weht der Wind mit 7 Windstärken aus Südwest. In Böen mehr. Das Schiff stampft und schlingert je nach Kurs durch die aufgewühlte See, während sich seit Stunden ein feiner Nieselregen durch jede noch so kleine Öffnung der Kleidung zwängt. Die Crew und der Skipper sind durchgefroren aber wohlauf und es sind noch etliche Stunden bis in den nächsten Hafen. Um die Moral zu heben und neue Energie zu tanken wäre eine warme Mahlzeit jetzt das Beste. Es gibt nichts besseres um die Moral zu heben. Doch an kochen ist bei diesen Schiffsbewegungen nicht zu denken. Erst recht nicht bei einem Kocher ohne kardanische Aufhängung.
Das ist nur eines von vielen Szenarien, in denen eine warme Mahlzeit und Verpflegung angebracht wäre. Ich begann mir also Gedanken zu machen, wie sich dieses Problem lösen ließe.
Für den Outdoorbereich gibt es gefriergetrocknete Nahrung, die mit heißem Wasser zubereitet wird. Der Vorteil: Es wiegt nicht viel und ist leicht zu stauen. Der Nachteil: Mit einem Kocher muss Wasser erhitzt werden. Diese Abhängigkeit von einem separaten Kocher wollte ich aber umgehen. Nicht immer lässt sich der Kocher gefahrlos betreiben und in Extremsituationen(worst case: Rettungsinsel) gar nicht erst vorhanden.
Outdoor/Expeditionsnahrung schied also vorerst aus.
In einer TV-Dokumentation wurden dann vor einiger Zeit verschiedene (europäische) Militär/Feldrationen verglichen. Entgegen aller Erwartung machten die Feldrationen keinen schlechten Eindruck und mein Interesse war geweckt. Ich begann im Internet zu recherchieren. Doch schnell machte sich Ernüchterung breit. Die deutsche Einmannpackung (EPa) benötigte auch wieder einen extra Kocher und überzeugte nicht durch eine große Vielfalt. Die britische Ration hat einen extra Kocher, ist aber für den Einsatz an Bord wenig geeignet, da die Nahrung auf offener Flamme zubereitet wird. Ebenso die französische. Die Niederländische setzt zum Teil auf Trockennahrung und benötigt auch wieder heißes Wasser. Allerdings bietet das niederländische System eine alternative Erhitzungmöglichkeit, die aber für den Bordeinsatz nicht geeignet ist.
Schließlich bin ich bei den amerikanischen Rationen gelandet. Meal-ready-to-eat. Kurz: MRE.
Das MRE bietet einige Vorteile. Die Packung ist Luft- und Wasserdicht verpackt und kann so problemlos in der Backskiste oder gar Bilge gelagert werden. Für einen schnellen Ausstieg in die Rettungsinsel müssen die Packungen auch nicht in einem extra wasserdichten Container verpackt werden. Eine Tüte, griffbereit gestaut, reicht. Wahrscheinlich schwimmen die einzelnen Packungen sogar. Das Highlight ist aber der flammenlose Kocher.
Das Hauptgericht wird einfach mit etwas (kaltem) Wasser in einen kleinen Beutel gesteckt, und nach 10 Minuten ist die warme (heiße) Mahlzeit fertig.
Das MRE gibt es in 24(!) verschiedenen Variationen und besteht aus mehreren Artikeln. Neben der warmen Hauptmahlzeit gibt es verschiedene Snacks, Süßigkeiten uvm.
- Entree. Das Hauptgericht
- Side dish. Die Beilage. Das kann Reis oder Kartoffeln sein
- Cracker oder Brot
- Aufstrich. Typisch amerikanisch auch Käse aus der Tube oder Erdnussbutter
- Nachtisch. Meist Kekse
- Süßigkeiten. M&Ms oder auch ähnliches
- Gewürze. Für das Hauptgericht, können auch Saucen sein
- Getränkepulver. Eistee, Kaffee oder Limonade
- Accessoires. Löffel, Kaugummis, Salz, Toilettenpapier, Erfrischungstuch

Bei eBay habe ich dann ein Paket zum testen erstanden. Ich entschied mich für “Grilled Chicken Breast”.
Den Geschmackstest habe ich dann mit dem beigelegten Brot mit Aufstrich begonnen. Es kostete etwas Überwindung, aber überraschenderweise schmeckte das Brot nicht matschig oder künstlich. Der beigelegte Käseaufstrich mit Jalapenos war Geschmacksache, aber durchaus genießbar. Der Eistee war auch schnell angerührt. Geschmacklich nicht von “normalem” Eistee zu unterscheiden.
Jetzt folgte die Hauptmahlzeit. Den Kocher zu aktivieren war kinderleicht und nach 10min konnte ich die Hähnchenbrust durch das ‘Side dish’ austauschen. Noch ein Schluck Wasser in den Beutel, sodass der Kocher wieder heiß wurde. Die Hähnchenbrust war angenehm heiß und mit den beigelegten Kräutern auch richtig lecker. Das ‘side dish’ war Cornbread Stuffing und nicht unbedingt mein Fall, aber warm schmeckte es doch einigermaßen.
Der Nachtisch ‘ranger bar’ war ein riesiger Schokomüsliriegel.
Fazit: Als Notration, wenn alle Stricke reißen und eine warme Mahlzeit schlicht nicht zubereitet werden kann, durchaus geeignet. Lagerfähig ist es einige Jahre und kann sogar über den Winter auf dem Schiff verbleiben. Durch Minustemperaturen wird die Lagerfähigkeit sogar noch erhöht. Auch ist große Vielfalt gewährleistet. Der Kocher ist genial und völlig sicher im Bordumgang und die Mahlzeit lässt sich gut aus der Tüte heraus essen. Nachteil ist der höhe Stückpreis. Bei eBay kostet ein Karton mit 12 MREs zwischen 50-70 Euro. Andere Vertriebswege gibt es leider nicht, da ein kommerzieller Vertrieb nicht erlaubt ist. Die Angebote bei eBay laufen meist unter Sammeln & Seltenes. Der hohe Preis lässt mehr als eine Notration nicht zu.
Für den nächsten größeren Törn werden ein paar MREs jedenfalls den Weg an Bord finden. Lange haltbar sind sie ja.
Seit dem Hurrikan Katrina werden in den Staaten auch zivile MREs produziert. Die Verpackungen sind aber nicht Luft- und Wasserdicht und bei einigen fehlt der Kocher. Sollte die Entscheidung der zivilen Version gelten, unbedingt auf den Kocher achten.


